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Wohnform: Mehrgenerationenhaus

27 Apr 2017

 

Ein Mehrgenerationenhaus beschreibt eine neue Wohnform, in der mehrere Generationen - ob verwandt oder nicht - unter einem Dach wohnen. Im Gegensatz zu einer WG oder einem Einfamilienhaus, handelt es sich hier um einzelne Wohneinheiten, die über Gemeinschaftsräume verbunden sind. D.h. jeder Bewohner hat die Möglichkeit seine Privatsphäre zu wahren, kann sich aber auch jederzeit in den Gemeinschaftsräumen aufhalten und engagieren. Besonderen Wert wird dabei auf die verschiedenen Generationen innerhalb dieses Zusammenlebens gelegt. Kinder, Erwachsene, Senioren, Singles oder junge Familien sind gleichermaßen willkommen. 

 

Früher war es durchaus üblich, dass sich beispielsweise Großeltern, Eltern und Enkel ein Haus geteilt haben. Diese Art des Zusammenwohnens ging jedoch durch den fortschreitenden Strukturwandel innerhalb der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten zunehmend verloren. Heutzutage wohnen meistens lediglich zwei Generationen unter einem Dach. Dennoch haben sich die Bedürfnisse aller Generationen im Grunde kaum geändert. Kinder wollen betreut werden, Senioren brauchen Unterstützung im Alltag und Eltern müssen die Balance zwischen Familie und Arbeit meistern. Diese Aufgaben, die früher Familienintern abgedeckt wurden, werden heute oft von staatlich unterstützten Institutionen übernommen. Also z.B. durch einen Kindergarten oder ein Seniorenheim.

 

Die Idee hinter einem Mehrgenerationenhaus möchte diese Bedürfnisse nun auch in den Wohnalltag einbinden. Das heißt konkret, dass durch die Bauweise dieser Häuser und Wohnkomplexe, das Entstehen einer Gemeinschaft zwischen Jung und Alt gefördert wird. Neben abgetrennten Wohnbereichen, wird durch das gezielte Anlegen von gemeinsam genutzten Flächen wie z.B. Hobbyräumen, großen Küchen und Esszimmern, Gästezimmern, Gartenanlagen oder Treffpunkten, der Austausch zwischen den Bewohnern erleichtert und gefördert. So können beispielsweise zusammen Grillabende oder Thementage organisiert werden. Oder die Senioren übernehmen zeitweise die Kinderbetreuung, wohingegen die Eltern Besorgungen und Einkäufe für die älteren Bewohner übernehmen. Ein ständiges Geben und Nehmen, ein reger Austausch und die Überwindung des steigenden Generationenkonfliktes soll dabei unterstützt werden. 

 

Die genauen Regeln und Anforderungen an die Bewohner werden dabei von der Gemeinschaft selbstständig aufgestellt und können daher je nach Projekt stark variieren. Vor der Planung eines solchen Mehrgenerationenhauses ist es also empfehlenswert, dass sich die einzelnen Parteien auf die Gestaltung der Gemeinschaftsräume einigen und die allgemeine Aufteilung des Baus je nach Bedürfnissen organisiert wird. Abhängig von der Personenanzahl, der finanziellen Situation und der persönlichen Vorstellung jeder Partei, kann die Bauweise so das spätere Zusammenleben erleichtern und optimal unterstützen.

Die ersten Pilotprojekte solcher Mehrgenerationenhäuser werden bereits bundesweit seit mehreren Jahren getestet und überwiegend positiv bewertet. Besonders bezüglich der Planungsphase und der Finanzierung innerhalb der ersten fünf Jahre, finden sich auf Länderebene viele Möglichkeiten der staatlichen Unterstützung. Die Stadt Köln hat z.B. seit 2005 mehrere Mehrgenerationenprojekte durch öffentliche Fördergelder unterstützt oder städtische Grundstücke zur Verfügung gestellt. 

Durch das Entwickeln eines respektvollen Miteinanders aller Altersklassen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, ist das Prinzip der Mehrgenerationenhäuser also auch auf lange Sicht interessant für die Kommunen. Für die Bewohner kann ein intaktes Zusammenleben, das Engagieren innerhalb einer Gemeinschaft und die Vorteile einer guten Nachbarschaft, aber sicherlich vor allem eine höhere Lebensqualität bedeuten. Zusätzlich kann sich eine Entscheidung für ein generationenübergreifendes Zusammenleben aber auch finanziell rechnen.

 

 

Hier ein Beispiel eines Mehrgenerationen - Familienhauses in Erftstadt-Liblar:

 

 

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